direkt aus den Ateliers
Aus einer Rede über hapés plastische Arbeiten von Jo Kalka, Übersetzer und Kritiker aus Stuttgart:
"hapés plastische Arbeiten sind keine Formen, die etwas abbilden, etwas darstellen wollen. Keine Aussage, kein Pathos, keine nachahmende Illusion, sondern die eigene spröde Logik des künstlerischen Mediums: das ist es, was der oft missverstandene Ausdruck "l'art pour l'art" meint: die Kunst empfängt ihre Probleme und Offenbarungen nirgendwoher als aus den Bedingungen, die sie vorfindet, wenn sie an die Arbeit geht, aus den Ansprüchen der Dinge. Natürlich erblickt jeder etwas anderes in den verblüffenden Objekten - und die Illusion von Abbildung kehrt zurück, vom Künstler ironisch in manchen Namen für seine Werke begrüßt, wenn er etwa die Reaktion eines Besuchers zum Titel macht und das Ding "sieht aus wie ein Anker" nennt. Er selbst zieht sich beharrlich in die Neutralität zurück. Seine "Bildplastiken" aus Holz, Eisen, Aluminium, Lack etc. sind Spielformen - aber in einem Goetheschen Sinne, wo das Spiel, ohne irgendetwas vom Leichten, vom eben Spielerischen zu verlieren, gleichzeitig auch in nächster Nachbarschaft zum Ernsten steht: ein Spiel, zu dem Wagnis, Übung, Experiment und Heiterkeit gleichermaßen gehören. Gewiss braucht dieser Spielernst, der ein ganz ernstes Pokergesicht zeigt, auch eine Eselsgeduld. Es ist ein kompliziertes Spiel der großen Würfe und kleinen Schritte, von seinem jeweils ersten Augenblick, da eine eigenartige Formung, ein bestimmtes herumliegendes Stück Holz oder Metall vom Blick des kunstvoll Spielenden aus der allgemeinen Unauffälligkeit herausgelöst wird, von jenem Blick, der nun darangeht, die verborgene Logik dieses Gegenstandes aus ihm herauszuholen, sie zu entfalten - explicare, auseinanderfalten, explicatio, eine ästhetische Erklärung von Zufallsformen aus Natur und Alltagsgeschichte, Objets trouvés, denen eine Lösung, eine Vollendung ihres besonderen Reizes sozusagen optisch abgelauscht wurde."
Aus einer Rede von hapé anlässlich der Erföffnung einer Ausstellung mit eigenen Werken:
"Ich wünschte mir, dass die Beschäftigung mit meinen Arbeiten etwas von dem vermittelt, was mir Kunst bedeutet: Mir geht es fernab aller modischen Betroffenheitskunst, fernab von künstlerischen Äußerungen, deren Erklärungen mehr Zeit benötigen als ihre Realisierung, um das neugierige Entdecken und lustvolle Erobern unbekannter Räume, in denen sich der menschliche Geist frei entfalten kann; um den Versuch, in diesen Räumen Markierungspunkte zu setzen und um die Hoffnung, dass Kunst es immer wieder schaffen möge, jenseits aller Kommerzialisierung Gegenwelten zu realisieren, die uns die Orientierung in der faktischen Welt erleichtern ... und nicht zuletzt darum, die hierzu notwendige Flamme in mir am Brennen zu erhalten, um sie anderen weiterreichen zu können. Ich werde also auch in Zukunft nicht aufhören, für meine Kunst zu leben und versuchen, die zu ihrer Entstehung notwendigen Voraussetzungen selbst zu schaffen.
Es geht mir ebenso um das einzelne Kunstwerk, nicht um Gesamtschauen oder sogenannte Themenausstellungen, die mit so intellektuellen Titeln wie "Von hier aus" oder ähnlichem auf Publikumsfang gehen. Bei solchen Ereignissen interessiert praktisch nur der sog. "Ausstellungsmacher", nicht etwa das einzelne Kunstwerk oder gar sein Produzent. Thomas Wagner hat in einem Artikel der FAZ vom 30. Januar 1991 zu diesem Thema etwas auch heute noch sehr Bedenkenswertes gesagt: "Was die Kunst rettet, ist - wieder einmal - ihre Absichtslosigkeit, ihr programmatischer Mangel an Zweckorientierung, ... . Vielleicht wäre eine weniger pauschal verfahrende Betrachtungs- und Präsentationsweise, die das einzelne Werk ... deutlicher ins Zentrum rückt, statt es im bunten Reigen vielfältiger Werke, Richtungen und Themen zu zerstreuen, ein erster Schritt zu beständigerer und nachhaltigerer Aufmerksamkeit."
Aus einem Text von hapé zu seinen Fadencollagen:
"Meine Zuneigung gilt dem Unscheinbaren, Weggeworfenen, Liegengelassenen, scheinbar Unbrauchbaren, dem nicht mehr verwendbar scheinenden, dem Übersehenen, Unbeachteten, scheinbar Bedeutungslosen. Es ist manchmal, als wäre der Blick verstellt, als könnte man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, als würde eine einmal getroffene Nutzungsbestimmung in alle Ewigkeit Gültigkeit haben. Ich spreche von Fäden, aufgerollt auf Spindeln, für den industriellen oder Heimeinsatz zur Herstellung unterschiedlichster Produkte, insbesondere Kleidung. Der Faden ist ein Material, dessen Funktion so eindeutig scheint, so durch einen allgemein üblichen Nutzungszweck festgelegt ist, dass kaum jemand bisher diese Einseitigkeit in Frage stellte. Vor lauter Zweckhaftigkeit, die ihm stets immanent war, konnte der Faden fast nie seine Unzweckhaftigkeit und damit mögliche andere Identitäten zur Entfaltung bringen. Lässt man sich näher auf das Phänomen Faden ein, öffnet sich dem Künstler ein Universum, in dem er ungeahnte Freiräume findet mit den zartesten Übergängen zwischen der zwei- und dreidimensionalen Welt.
Der von der Spindel mehr oder weniger gezielt abgerollte Faden, fixiert, geordnet zu einem bildnerischen Ganzen. In sich überlagernden Schichten, als Reliefzeichnung, als zufällige Verformung, ohne Anfang und Ende, als formbares strukturgebendes Material. „Die Schnur ist die plastische Form des Heraklit’schen Denkens“, sagte Gerhard Hoehme einmal und meinte damit das bekannte Zitat „Alles ist im Fluss“ oder in anderer Weise „Man steigt nie zweimal in den selben Fluss“ – was ist dann der Faden, der bisher in der Kunst praktisch nicht auftaucht, bisher keinen anderen Verwendungszweck hatte denn als (ver)bindendes Hilfsmittel. Dabei bietet er tausend Möglichkeiten, als eigenständiges plastisches Material eingesetzt zu werden. Diese Möglichkeiten auszuloten, habe ich mir zur Aufgabe gemacht. Daher mein Motto: Raus aus den Nähten, rein in die Kunsrt."
hapés plastische Arbeiten sind keine Formen, die etwas abbilden, etwas darstellen wollen. Keine Aussage, kein Pathos, keine nachahmende Illusion, sondern die eigene spröde Logik des künstlerischen Mediums: das ist es, was der oft missverstandene Ausdruck "l'art pour l'art" meint: die Kunst empfängt ihre Probleme und Offenbarungen nirgendwoher als aus den Bedingungen, die sie vorfindet, wenn sie an die Arbeit geht, aus den Ansprüchen der Dinge. Natürlich erblickt jeder etwas anderes in den verblüffenden Objekten - und die Illusion von Abbildung kehrt zurück, vom Künstler ironisch in manchen Namen für seine Werke begrüßt, wenn er etwa die Reaktion eines Besuchers zum Titel macht und das Ding "sieht aus wie ein Anker" nennt.
Er selbst zieht sich beharrlich in die Neutralität zurück. Seine "Bildplastiken" aus Holz, Eisen, Aluminium, Lack etc. sind Spielformen - aber in einem Goetheschen Sinne, wo das Spiel, ohne irgendetwas vom Leichten, vom eben Spielerischen zu verlieren, gleichzeitig auch in nächster Nachbarschaft zum Ernsten steht: ein Spiel, zu dem Wagnis, Übung, Experiment und Heiterkeit gleichermaßen gehören.
Gewiss braucht dieser Spielernst, der ein ganz ernstes Pokergesicht zeigt, auch eine Eselsgeduld. Es ist ein kompliziertes Spiel der großen Würfe und kleinen Schritte, von seinem jeweils ersten Augenblick, da eine eigenartige Formung, ein bestimmtes herumliegendes Stück Holz oder Metall vom Blick des kunstvoll Spielenden aus der allgemeinen Unauffälligkeit herausgelöst wird, von jenem Blick, der nun darangeht, die verborgene Logik dieses Gegenstandes aus ihm herauszuholen, sie zu entfalten - explicare, auseinanderfalten, explicatio, eine ästhetische Erklärung von Zufallsformen aus Natur und Alltagsgeschichte, Objets trouvés, denen eine Lösung, eine Vollendung ihres besonderen Reizes sozusagen optisch abgelauscht wurde.