Roman Lang wurde in Königshütte/Charzow in Polen geboren. Von 1976 - 1978 studierte er "Grafik-Design und Malerei" an der Kunstakademie Krakau. 1980 - 1984 absolvierte Roman Lang zusätzlich das Studium "Grafik-Design und Trickfilm" an der Staatlichen Akademie der Bildenen Künste in Stuttgart. Seit 1984 ist er freier Illustrator, Cartoonist und Trickfilmemacher.
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1973 |
erste satirische Zeichnungen und erste Presseveröffentlichungen |
1976 - 78 |
Studium Grafik-Design/ Malerei an der Kunstakademie Krakau |
1980 - 84 |
Studium Grafik-Design / Trickfilm an der Staatlichen Akademie der Bildenen Künste, Stuttgart |
1982 |
zweiter Preis im Hubert und Grete Trost Wettbewerb für das Cartoonbuch "wie geht's?" |
1983 |
Einzelausstellung an der Stuttgarter Kunstakademie - "Satirische Zeichnungen und Trickfilme" |
1984 - 87 |
Lehrauftrag für Trickfilm an der Stuttgarter Kunstakademie |
Seit 1984 |
Freier Illustrator, Cartoonist und Trickfilmemacher |
1984 - 87 |
Lehrauftrag für Trickfilm an der Stuttgarter Kunstakademie |
1987 |
zweiter Preis beim internationalen Wettbewerb in Beringen/
Belgien für Cartoonbuch "wie geht's?" - Presseveröffentlichungen |
seit 1988 |
künstlerische Auseinandersetzung mit Polaroidfotografie - bis 1993 entstanden ca. 5000 Polaroids |
1993 |
Jahresausstellung Württembergischer Kunstverein (Stuttgart) |
1993 |
Teilnahme an der Ausstellung "Odol 100" im deutschen Hygienemuseum in Dresden |
1993 |
Teilnahme an der Ausstellung "Das Auto in der Kunst", Amthofgalerie, Bad Camberg, IAA Frankfurt/ Main |
1993 |
Kunstakademie Stuttgart |
2003 |
Kunstraum (Stuttgart) - "Meine 22 Stuttgarter Fälle" |
Aus der Stuttgarter Zeitung anlässlich einer Ausstellung von Roman Langs Polaroid-Arbeiten in der Stuttgarter Kunstakademie.
Kalkulierte Kratzer
Roman Langs Polaroidgemälde
Jungfräuliche Polaroids auf ihrem Weg von Schwarz nach Bunt. Die unfertigen Glanzbildchen mit dem nostalgisch weißen Papprahmen animieren den Stuttgarter Comic?Zeichner, Trickfilmer und studierten Grafikdesigner Roman Lang zu allerlei Schabernack. Hartnäckig kratzt, reibt und schabt der junge Mann auf ihrer glatten Oberfläche herum, fügt dem Schnellfoto während der knappen Entwicklungszeit neue Linien oder Linienbündel hinzu, verfremdet es durch kalkuliertes Spiel mit dem Zufall.
Aus je fünfundzwanzig Fotos von Hüten, Orangen und anderen Alltagsgegenständen oder auch schlichten Farbflächen komponiert das Multi?Talent dann ein "Modul" genanntes Polaroidgemälde im Patchwork?Look, Da werden aus aneinandergereihten Fotos von Kaffeehaus? oder Küchenstühlen Choreographien eines phantastischen Stuhlballetts, und kleine bunte Quadrate formieren sich zu kraftvoll bewegten Farbspielen. Zu sehen sind Roman Langs Sofortbild?Arrangements im Ausstellungsraum der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste am Stuttgarter Weißenhof.
(Wer sich für Roman Langs Polaroid-Kompositionen interessiert, sollte einen Besuch in seinem Atelier vereinbaren)
Aus einer Rede des Kunsthistorikers Hans-J. Sproß anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Februar 2000 mit "Würfelwerken" von Roman Lang.
Roman Lang, Würfel säen
Hüte haben bekanntlich ihre drei Ecken, und Würfel ihre sechs Seiten. Das trifft jedenfalls auf den populären und allgemein verbreiteten Würfel zum Spielen zu. Unsere germanischen Vorfahren hatten so etwas natürlich nicht, Hier fanden die Backenzähne der abgeschlachteten Feinde Verwendung. Waren keine Feinde zum Abschlachten da, wurden die Frauen und die Kinder zum Würfeln verwendet. Wir sehen, woher der Wind der Zivilisation weht, also doch iacta est. Im vorliegenden Fall muß es aber heißen, alea agglutinata est, der Würfel ist geklebt.
Der Künstler ist beständig den unterschiedlichsten Missverständnissen ausgesetzt, In den Spielwaren? und Würfelabteilungen sämtlicher Stuttgarter Kaufhäuser hält sich seit einiger Zeit das Gerücht, ein neues Spielkasino stünde unmittelbar vor der Eröffnung, bei dem um Millionenbeträge gewürfelt würde. Ich weiß nicht, ob es einen Würfelschutzbund gibt; wie ich die deutsche Gesellschaft kenne, gehe ich von dessen Existenz aus. Diese Gesellschaft, wüsste sie von dem verwerflichen würfelhaften Treiben Roman Langs, hätte sicherlich ihre in der Würde des Würfels begründeten Einwände. Also verkünde ich, dass Roman Lang ein ernsthafter Mensch ist, dem niemals einfiele, Würfel nur so zum Schmerz zu quälen. Ich kann versichern, dass die Würfel beim Zusammenkleben so gut wie nichts gespürt haben. Trotzdem hat unsere Gesellschaft ein Recht auf Aufklärung, wenigstens bei den Würfeln, wenn sonst schon die Moral den Bach hinuntergeht.
Also fragt man: was soll das alles, was steckt dahinter und wohin soll das führen? Eine gegebene Anzahl von x Würfeln mit y Flächen lässt sich in z Varianten arrangieren. Das ist trivial und die Varianten lassen sich in jedem Computer ausrechnen und darstellen. Wird hier also die Mathematik mit bescheidenen Methoden neu erfunden, wird sozusagen mit Rechenstäbchen gearbeitet, um die Welt der Zahlen neu zu entdecken? Ich glaube, nein. Denn Roman Langs Würfeleien eignet eine unmittelbare Sinnlichkeit. Man ist versucht, diese Gegenstände in die Hand zu nehmen. Wobei wir es natürlich ebenfalls nicht mit einer wie auch immer gearteten Mathematik zum Anfassen zu tun haben. Die zusätzliche Qualität ist ebenso offensichtlich wie undefinierbar. Fast scheint es, dass die dreidimensionalen Würfelwerke in die nächste Dimension strebten, sozusagen dreieinhalbdimensional sind. Ein weiteres Faszinosum besteht darin, dass jedes seiner Würfelwerke eine starke Individualität besitzt, die ebenso unmittelbar erlebt werden kann wie die sinnliche Aura.
Der Einzelwürfel ist monadenhaft, und die wenigsten wissen, wie es in seinem Inneren aussieht. Roman Lang verkittet diese anspruchslosen Wesen miteinander, und siehe da, es entstehen Bilder und Gefühle, die den Würfeln nicht an der Wiege gesungen wurden. Ein Manhatten wird ebenso anschaulich wie rätselhaft, und die voluminösen Formen, keine davon ist innen hohl, lassen das Paradox erleben, dass sie die Hermetik der Pyramiden mit der Flüchtigkeit des Zufalls vereinen.
Zum Schluss möchte ich auf den letzten Teil der oben gestellten Frage eingehen: "Wo soll das alles hinführen?" Ich weiß es nicht zu sagen, und Roman wahrscheinlich auch nicht. Es ist, als ob der Würfel hier sein ureigenstes Recht fordert. So viele Möglichkeiten eröffnen sich von hier aus. Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht. Der unvergessene und unübertroffene Günter Eich schrieb ein Gedicht, "Pfeffers Ernte", das die Roman Langschen Würfel zwar auch nicht erklärt, das aber ebenso paradox ist wie die Würfelwelten. Es beginnt mit den Worten "Mein Freund Pfeffer / hat Sturm gesät". Analog dazu fällt mir immer ein "Mein Freund Roman / hat Würfel gesät".